Pressefreiheit: Damals und heute
Junge Journalisten fragten nach, im Haus der Geschichte und beim TV-Sender Phoenix in Bonn
Unter dem Motto „Geschichte hautnah erleben“ startete der Aktionstag der Jugendpresse Rheinland am 30. März im „Haus der Geschichte“ in Bonn. Hier können Besucher auf 5000 Quadratmetern das Wichtigste aus der Geschichte der Bundesrepublik erfahren. Angefangen vom Wiederaufbau Deutschlands, bis hin zur WM 2006. Der Fokus unserer Führung lag auf der Bedeutung der Presse und der Medien zu dieser Zeit. Welche Schwierigkeiten hatte die Presse nach dem Zweiten Weltkrieg? Inwieweit wurde sie während der Besatzungszeit und in der DDR als Propaganda genutzt? Was genau hatte es mit der Spiegel-Affäre auf sich? Und welche Rolle hat der Staat im Bezug auf die Pressefreiheit heute? Der Mitarbeiter des Besucherdienstes des Hauses der Geschichte André Melder konnte uns auf all diese Fragen spannende Antworten liefern.
Wir erfuhren unter anderem einiges über das Programmschema der Medien in der Nachkriegszeit. Bei einem Großteil der Bevölkerung bestand hier ein Bedarf an leichter Unterhaltung mit regionalem Bezug, wie zum Beispiel durch lokale Dialekte. Eine weitere Konfrontation mit den verheerenden Folgen des Krieges war zu dieser Zeit nicht sehr gefragt. Wie hoch der Einfluss der Presse auf politischer Ebene sein kann, zeigte uns Melder anhand der Spiegel-Affäre im Jahr 1962: Die Rechte der Presse wurden in Deutschland seitdem nie wieder so stark verhandelt. Auf Grund eines kritischen Artikels waren zahlreiche Mitarbeiter des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ der Strafverfolgung wegen angeblichen Landesverrats ausgesetzt. Die Öffentlichkeit sah in dieser Sanktion einen Anschlag auf die Pressefreiheit, es kam zu Demonstrationen. Eine Regierungskrise und die Freilassung der Inhaftierten waren die Folge. „Presse ist für eine Regierung unverzichtbar“, dieses Fazit hat uns nicht nur André Melder während unseres Aktionstages mitgegeben.
Die wechselseitige Abhängigkeit von Politik und Presse haben wir auch im Anschluss beim Besuch des Ereignis- und Dokumentationskanals Phoenix erlebt. Pressesprecherin Ellis Diederich und Moderator Erhard Scherfer haben sich unseren Fragen gestellt, und umfassend erklärt, was Phoenix im Wesentlichen ausmacht. Eine anschließende Führung durch die verschiedenen Arbeits- und Produktionsbereiche, vom Studio bis hin zur Bild- und Tonkontrolle, hat uns gezeigt wie viel journalistische und technische Arbeit hinter den Kulissen steckt.
Seit dem Sendestart im Jahr 1997 berichtet der Bonner TV-Sender überparteilich über politische, gesellschaftliche, wissenschaftliche und künstlerische Themen. Als Spartenkanal der zwei Muttersender ARD und ZDF ist Phoenix umfangreicher Informationsvermittler und Live-Berichterstatter aus den Parlamenten. Aktuelle Themen und Ereignisse, politische oder wissenschaftliche Entwicklungen, werden durch Diskussionsrunden und Dokumentationen ergänzt. Das Motto des Senders „Das ganze Bild“ steht für seinen Inhalt. Durch ausführliche Berichterstattungen soll das Interesse der Zuschauer für politische Themen geweckt werden, sie sollen sich selbst ein umfassendes Bild machen können und sich eine eigene Meinung bilden. Das haben auch wir getan und kritische Fragen gestellt: Kann ein Sender wirklich sachlich und überparteilich berichten? Ist ein TV-Kanal in diesem Sinne unpolitisch und journalistisch unabhängig? Die aktuellen Diskussionen über das ZDF und die Einflussnahme der Politik waren für uns eine der wesentlichen Fragen. Dass sich Phoenix gegen das Sende-Verbot der Befragung von Verteidigungsminister zu Guttenberg vor dem Kundus-Untersuchungsausschuss ausgesprochen hat, ist nur ein Beleg für den oft geführten Kampf um das Recht für Medienfreiheit. Die Politiker fordern das Fernsehen zwar als selbstverständliche und immer präsente Plattform, schränken es aber durch derartige Verbote wiederum ein. Gerecht ist das nicht. Wir sind überzeugt, dass Phoenix mit seinem umfassenden Sendekonzept tatsächlich neutral berichten und Menschen bilden kann. 14 Interessierte werden jetzt wohl öfter „Das Ganze Bild“ in den Blick nehmen.
Rebecca Schirge und Anika Lautz
Demnächst
21./22.08.2010 | GamesCom
Die Jugendpresse Rheinland veranstaltet in Kooperation mit der Electronic Sports League am 21. Und 22. August zum zweiten Mal den Workshop "eGaming" und ermöglicht dir live von der GamesCom zu berichten!
Ort: Köln
Kosten: 5 € / 8 €, eigene Anreise und Übernachtung
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25./26.09.2010 | Grundlagenseminar
Gemeinsam mit dem Deutschen Journalisten-Verband laden wir ein zu einem Grundlagen-Wochenende in Düsseldorf: Du lernst, welche Artikelformen es gibt, wie du die richtige aussuchst
Ort: Düsseldorf
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