RTL –Recherchetag
von Jugendpresse Rheinland-Mitglied Anna Polovets
Von kleinen Einblicken in die neuen RTL–Studios und anregenden Gesprächen
Am Freitag, dem 03.12.10, hatte die Jugendpresse-Gruppe Rheinland die Ehre, unter den Ersten zu sein, die hinter die neuen Kulissen von RTL schauen durften.
Seit September 2010 sendet RTL aus dem neuen Sendezentrum in Köln-Deutz. Mit dem Wechsel hat sich nicht nur die Qualität der Ausstrahlung enorm verbessert, sondern auch die Größe der Fernsehgesellschaft. Denn der Ursprungsgedanke bestand darin, RTL- und n-tv-Redakteure unter einem Dach zu vereinen und die RTL-Tochter „Infonetwork“ zu gründen.
Trotz der Tatsache, dass einige die Führung durch die neuen Studios verschlafen haben, sind sich alle einig, dass es sich gelohnt hat, für den Besuch nach Köln-Deutz zu fahren. „Es war besonders faszinierend zu sehen, wie sehr sich die Realität von der Wirklichkeit im Fernsehen unterscheidet.“, stellt Daniel Helmes, ein Jugendpresse Mitglied, heraus. Dabei denkt er insbesondere an die „Grüne Hölle“ – so wird das neue Aufnahme-Studio, mit nackten grünen Wänden und einem weißen Tisch in der Mitte, intern bezeichnet. Die Moderatoren stehen während der Aufnahmen vor nackten, grünen Wänden. Erst in der Regie werden die Hintergründe virtuell eingefügt. Auch die Kameras werden von der Regie aus gesteuert - auf Schienen fahren Kamerakräne durch den Raum, die Bewegungen werden programmiert und das alles wird von einem Kameramann an einem Pult überwacht. „Wir haben im neuen Studio viel mehr optische Möglichkeiten. Wir können beispielsweise mit großen Video-Wänden arbeiten, in denen wir Bilder zeigen, über die wir sprechen wollen. Insgesamt wirkt das Studio größer und moderner. Fernsehen funktioniert zu 90 Prozent über Optik. Da ist es unsere Pflicht, auch diesbezüglich neue Wege zu gehen“, sagt „Explosiv“-Moderatorin Janine Steeger.
Desweiteren haben auch die beiden Gespräche mit Peter Kloeppel und Leonhard Ottinger überzeugt. „Ich hatte den Eindruck, dass die beiden Gesprächspartner mit den gestellten Fragen professionell und offen umgegangen sind. “, sagt Anna Polovets, eine weitere Teilnehmerin der Exkursion, „ Besonders einprägend fand ich die Aussage, dass es Quereinsteiger heutzutage sehr schwer haben, da es mehr darauf ankommt ‘formbar‘ zu sein und ‘geformt‘ wird man in einer Journalistenschule“. Weiterhin erfährt die Jugendpresse-Gruppe, dass sich die Meinungen trennen, wenn es um Senderübergreifende Nachwuchsförderung geht. Auszubildende der RTL-Journalistenschulen haben auf jeden Fall die Möglichkeit auch Senderübergreifend zu arbeiten. Das bedeutet, dass man auch die Möglichkeit hätte nach der Ausbildung für Sender wie ZDF, WDR oder SAT.1 oder sogar in ganz anderen Bereichen wie Print oder PR zu arbeiten.
In die Ausbildung der RTL-Journalistenschule integriert, sind auch Auslandsaufenthalte, Exkursionen und Praktika. Peter Kloeppel lobte die mit RTL in Verbindung stehende Auslandskorrespondenz und stellte fest, dass es wichtig ist die vorhandenen Ressourcen nicht nur zu pflegen, sondern auch zu nutzen.
Jedoch müssen sich die Bewerber um solch eine lukrative Ausbildung, harten Auswahlverfahren stellen. Zum einen kann man sich um einen der 30 Ausbildungsstellen nur alle zwei Jahre bewerben und zum anderen sollte man versuchen sich von den ungefähr 500 anderen Bewerbern abzuheben. (Der nächste Auswahl-Termin ist das Frühjahr 2012 . Bei weiterem Interesse lohnt sich ein Blick auf die Website www.rtl-journalistenschule.de .)
„Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!“, hebt Peter Kloeppel hervor, „Das viele Menschen der Jugend erzählen, im Journalismus sei es nahezu unmöglich einen Job zu kriegen, halte ich auch für Blödsinn“. Er betont, dass man zu sich selbst finden sollte, und vor allem man wissen sollte worin man gut ist. Heutzutage ist wertvoll, welche Fähigkeiten die Bewerber mitbringen – Vorerfahrung wird vorausgesetzt. Weiterhin offenbart Peter Kloeppel, dass Praktika wichtig sind um Erfahrungen zu sammeln, jedoch sollte man aufpassen, dass man „nach vielen Praktika auch mal irgendwo unterkommt“.
Die Frage ob Peter Kloeppel sich vorstellen könnte ein Pressesprecher der Regierung zu werden begründete er verneinend damit, dass es gegen seine Grundüberzeugung wäre. Er habe sich bewusst für das Berufsbild Journalist entschieden und für die damit zusammenhängende Neutralität.
Weiterhin gibt er zu, dass es natürlicherweise auch Pannen gibt. Seine größte Panne bestand darin, dass er sich am Anfang einer Live-Sendung auf das Mikrofon gesetzt hatte. „Ich bezeichne jedoch Erlebnisse wie Namen von Politikern vergessen auch schon als Panne.“, fügt Peter Kloeppel hinzu.
Die Frage danach, in wie weit pädagogisch wertvoll manche Formate von RTL sind führte zu einer kleinen Disskusion, die damit endete dass „RTL verantwortungsvoll mit dem Video-Material umgeht“, wie Peter Kloeppel verteidigt, „Das ist alles Definitionssache. Wir sehen unsere Aufgabe darin die Leute an die Hand zu nehmen und ihnen in unseren Berichten das zu zeigen was sie sonst nicht sehen“.
Zum Abschluß verteilt Peter Kloeppel noch ein paar letzte Tipps und Hinweise an die jungen Nachwuchs-Journalisten. Es ist wichtig flexibel zu sein, vor allem Örtliche Flexibilität wird hoch gepriesen. Außerdem rät er dazu Chancen zu ergreifen und überhaupt die Augen offen zu halten. Einem sind die Möglichkeiten nicht immer sofort sichtbar, deshalb sollte man wachsam durch die Stadt gehen. Nichts sei unmöglich.

